September 18, 2019

Eine Ode an das Zugfahren

Frauke Schmidt
Titelbild

Entspanntes, nachhaltiges Reisen per Bahn


Das gesamte Unplanned-Team besteht aus fanatischen Reisenden und ja dafür steigen wir auch in Flugzeuge. In letzter Zeit zunehmend allerdings mit schlechtem Gewissen, das sich auch durch CO2-Ausgleichszahlungen nicht ganz beruhigen lässt. 

Also Alternativen auskundschaften, denn eins ist klar: Aufs Reisen können wir nicht verzichten. Dabei haben wir die Liebe zum Zugfahren entdeckt. Wir bemerken allerdings, dass unsere Zugliebe nicht von allen unserer Kunden geteilt wird. Warum setzen wir uns in unkomfortable Züge im Hochland Myanmars oder träumen von einer Reise mit der transsibirischen Eisenbahn, aber denken bei der Deutschen Bahn erst einmal nur an Berufspendler und Verspätung? Das muss sich ändern!

Unsere 5 Argumente für das Reisen mit dem Zug:

 1.   Entspannung

Der Urlaub beginnt bereits beim Einstieg. (Wenn man eine Platzreservierung hat! Das ist absolute Grundvoraussetzung, um Nerven zu schonen). Endlich in Ruhe lesen oder einen Film auf dem Laptop gucken und dabei die Landschaft am Fenster vorbeiziehen lassen.  

2.   Freiheit

Nirgends ist man so frei, wie im Zug. Kein Warten bei Sicherheitskontrollen, Boarding etc., nur um dann eingepfercht in einer engen Reihe zu sitzen. Ebenso kein eingeklemmt zwischen Proviant und Gepäck auf dem Rücksitz eines Autos sitzen, sondern die volle Freiheit sich den Gang runter, zur Toilette oder ins Bordrestaurant zu bewegen – wann immer man möchte. 

Eine Ode an das Zugfahren-Unplanned1

3.   Umwelt

Unser wichtigstes Argument ist natürlich die Umwelt. Hier erst an dritter Stelle, weil wir wirklich glauben, dass der Erholungsfaktor so viel höher im Zug im Vergleich zu irgendeinem anderen Verkehrsmittel ist, dass nicht allein das Umweltargument zählt. 

Am Wochenende war ich mit dem Zug von Berlin aus in Köln. Wäre ich geflogen, hätte ich auf dieser Strecke Hin- und Zurück sechs Mal so viel CO² verbraucht. Alleine im Auto übrigens nicht signifikant weniger. 

Checkt doch auch mal Eure nächste Reise mit dem CO2-Rechner aus, dann fällt der Umstieg auf die Bahn aus Nachhaltigkeitsgründen eigentlich schon nicht mehr schwer. 

4.  Andere Ziele

Zugfahren erweitert unseren Horizont, denn plötzlich gucken wir uns Nahziele genauer an und entdecken so exotische Ziele direkt um die Ecke. Von München ist man in knapp 1:30 h mit dem Zug in Klein-Kanada (bei Garmisch-Partenkirchen) und von Berlin aus geht es mit dem nostalgisch-atmosphärischen tschechischen Zug in weniger als 3 Stunden mitten in den Nationalpark Sächsische Schweiz

5.  Zeit sparen

Okay wir wollen Euch nicht weiß machen, dass Ihr schneller seid als mit dem Flieger, aber die Zeit wird anders genutzt. Bei unseren Job-Trips merken wir, dass wir wirklich mehr schaffen als noch zu Zeiten, in denen wir in ständiger Bereitschaft am Flughafen herumlungerten. Und privat – ja, da sind wir wieder bei Punkt 1 – der Entspannung. Wirklich Zeit spart Ihr allerdings mit Nachtzügen. Die werden leider in Deutschland nur noch von der Österreichischen Bahn (ÖBB) betrieben, aber Dank Greta Thunberg ist die Diskussion wieder angekurbelt. Schweden wird nachziehen und das Angebot wieder ausbauen und die Deutsche Bahn denkt nun wohl auch über eine Kooperation mit der SBB der Schweiz nach. Dann können wir bald vielleicht auch wieder in den Süden per Bahn. 

Also denkt doch mal drüber nach Eure nächste Reise per Bahn zu machen oder lasst uns einen Unplanned-Trip mit dem Zug planen. 

Eine Ode an das Zugfahren-Unplanned2

Weitere Tipps zum nachhaltigen Reisen

Zero Waste Hotels

Jetzt seid Ihr vielleicht schon extra mit der Bahn in die Schweiz auf den Bio Bauernhof gefahren und die Kühe sind hier zwar glücklich, doch der Müll, den Ihr produziert, ist wahrscheinlich sehr viel mehr als wäre das daheim der Fall gewesen. Die kleine Einmalseife wird täglich neu aufgefüllt und am Buffet gibt es Butter und Marmelade in Mini-Portionen. 

Solange noch nicht alle Hotels auf umweltschonendere Nachfüllbehälter umgerüstet haben, reisen wir mit unseren eigenen Pflegeprodukten. Shampoo, Spülung, Bodylotion oder was man sonst braucht, am besten in kleinen wiederauffüllbaren Behältern mitnehmen. Dazu legen wir Euch ein Seifen-Revival ans Herz. Fast unendlich viele Wäschen hält das gute Stück – Naturseife – ist meist nur in einer Pappbox verpackt (noch besser für Euer Plastik-Karma) und nimmt beim Flug mit Handgepäck keinen wertvollen Platz im Flüssigkeitentütchen weg. 

Wer direkt bei der Hotelauswahl schon auf Nachhaltigkeit achten will, sucht am besten nach Zero Waste Hotels. Wir haben schon tolle Partner, die mit einfachen Mitteln ihren kompletten Plastikverbrauch im Hotelbetrieb auf Null gesetzt haben. Die dürfen wir Euch aber leider nicht verraten. 

Travelgadgets statt Plastikmüll

Unser erster Tipp ist eigentlich schon eine alte Kamelle und wird hoffentlich von den meisten von Euch im Urlaub und daheim bereits beherzigt: Jute statt Plastik! Ich habe immer einen Jutebeutel in der Tasche und wenn ich Shoppen gehe auch mehrere. Gerade beim Reisen ist super praktisch, dass die Beutel so platzsparend sind und es sie in allen Größen und Ausführungen gibt, damit sie Einkaufskorb gleichermaßen wie Strandtasche und Wanderrucksack ersetzen. 

Mein zweites Gadget ist ein Must für Kinder und Sportler und verwunderlicher Weise noch nicht für Jedermann: Die Trinkflasche. Mit Wasser aufgefüllt, vermeidet sie Plastikmüll und spart dabei noch wirklich Geld. Super praktisch sind die isolierten Modelle, die im Winter den Tee warmhalten – vor allem bei sommerlichen Trips aber auch das Wasser kalt. Viel besser als eine kleine Einweg-Plastikflasche!

Soweit ein Anfang, um mit etwas besserem Gewissen nicht ganz auf das Reisen zu verzichten. Und wenn man das meiste auch noch daheim beherzigt – umso besser!

Ihr wollt mehr darüber lesen? Hier gehts zum nächsten Artikel auf unserem Blog über Nachhaltigkeit beim Reisen.

Frauke Schmidt