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So geht es Deutschen im Ausland während Corona | Unplanned
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Reisen während Corona: Erfahrungsberichte von Deutschen im Ausland

So ist die Situation einiger Reisender aktuell.

Die Bundesregierung holt Tausende, wegen der Corona-Pandemie im Ausland gestrandete deutsche Touristen mit einer “Luftbrücke” zurück. Doch wie geht es eigentlich denen, die dableiben? Wir wollen Euch ein paar Deutsche im Ausland vorstellen, alles Menschen aus unserem Bekanntenkreis, die der Coronavirus überrascht hat und die während der Corona-Pandemie vor Ort ausharren. Jenseits der Rückholaktionen. 

Susann in Hanoi

Den Anfang macht Susi. Susi hat bei Unplanned ein Praktikum gemacht und ist uns weiterhin als Werkstudentin erhalten geblieben. Gerade ist sie in Vietnam und macht dort ein Auslandssemester. Wie sich ihr Leben dort durch Corona verändert hat, schrieb sie für uns auf.  

Bericht aus Vietnam-Susi-Corona-Unplanned

 „Schon seit acht Wochen bin ich jetzt für mein Auslandssemester in Hanoi, der Hauptstadt von Vietnam. Von der unglaublich lauten und überfüllten Stadt, mit immer neuen Gründen zum „Wow“, „Oh Gott“ und manchmal auch „Igitt“ an jeder Ecke, so wie ich sie Ende Januar kennengelernt habe, ist im Moment nicht mehr viel übrig. Fast alle Museen, Hostels und Bars haben mittlerweile geschlossen. Die Beer Street im Old Quarter, vorher DER Hotspot für Backpacker und spottbillige Getränke, wirkt mit den verschlossenen Türen fast unheimlich. Dass man den sonst gnadenlos vollgeparkten Gehweg benutzen oder auf der Straße zu Fuß unterwegs sein kann, ohne um sein Leben zu fürchten, ist für Vietnam auch ein absolutes Novum.

Will man einen Supermarkt oder ein Einkaufszentrum betreten, wird die Temperatur an der Stirn gemessen, 38°C sind die Grenze, und die Hände müssen desinfiziert werden. Atemmaske tragen ist mittlerweile fast überall Pflicht. Ein Glück, dass ich mich daran schon gewöhnt habe – die Luftverschmutzung hier ist nämlich nach wie vor eine der schlimmsten der Welt.

Zurück nach Deutschland will ich erstmal nicht, es wurden ohnehin fast alle internationalen Flüge gestrichen. Ich hoffe einfach, dass es bis zu meinem geplanten Rückflug Mitte Juli wieder läuft.

Die Uni erhält ihren Betrieb mehr oder weniger mit Online-Kursen aufrecht und um die Lebensmittelversorgung müssen wir uns keine Sorgen machen. Freunde treffen ist auch kein Problem und so machen wir mit Brettspielen, Filmeabenden oder der ein oder anderen Rooftop-Party einfach das Beste daraus. Noch ein kleiner Vorteil: Familie und Freunde in Deutschland haben jetzt öfter Zeit für FaceTime – auch trotz der Zeitverschiebung.“

 

Leere-Straßen-Hanoi-Corona-Unplanned

Karolina auf Fuerteventura

Wie auch aus Italien, schwirren im Netz Mut machende Videos von Menschen in Spanien, die auf ihren Balkonen Musik machen oder von spanischen Polizisten, die in menschenleeren Straßen, den Anwohnern am Fenster ein Ständchen bringen. Spanien ist im Shutdown. Wie sie das in ihrer Wahlheimat Fuerteventura erlebt, haben wir Karolina gefragt. Karolina lebt mit ihrer Familie meistens auf Fuerteventura. Ihr Freund kommt daher und sie selbst arbeitet remote, so dass die Ferieninsel ihr gemeinsamer Lebensmittelpunkt ist. 

Bericht-Fuerteventura-Karolina-Corona-Unplanned

Unplanned: Wie erlebst Du Fuerteventura während des Corona Shutdowns?

Karolina: „Hier gibt es nur 18 Corona-Fälle. Trotzdem: alle Hotels haben zugemacht und die meisten sind im Arbeitslosengeld. Es sind keine Touristen mehr da … alles ist leer … und wir dürfen nur zum Einkaufen und kurz Gassi gehen raus. Das wird streng kontrolliert! Wir sind eigentlich immer mit dem Hund und dem Baby draußen, deswegen hat sich unser Alltag schon verändert.

Unplanned: Was fällt Dir in dieser Zeit besonders schwer?

Karolina: „Meine Mama war bis Sonntag hier und es ist schon schwer die Familie ziehen zu lassen, wenn man nicht genau weiß, wann man sich wiedersieht!“

Unplanned: Was ziehst Du Positives aus der Situation?

Karolina: „Die Natur regeneriert sich und die Tiere kommen wieder! Es hat sogar schon zweimal geregnet. Außerdem haben wir Zeit, Dinge zu tun, vor denen wir uns normaler Weise drücken. Unsere Wohnung ist so aufgeräumt wie nie. Und Stress habe ich keinen mehr. Ich muss ja eh nirgends hin.“

 

Leerer-Strand-Fuerteventura-Corona-Unplanned

Michael & Joanna in Thailand

Michael und Joanna sind Digital Nomads und durch ihre Jobs nicht ortsgebunden. Überwintert haben sie dieses Jahr in Asien. Zum deutschen Sommer planten sie zurückzukommen. Der Flug ginge im April. Nun sind sie auf Koh Phangan und die Situation ändert sich täglich.

Michael-Joanna-Thailand-auslandsberichte-unplanned

Derzeit wissen sie weder, ob ihr Flug geht, ob sie von der Insel runterkommen, noch ob sie es dann bis nach Bangkok schaffen. Jetzt wird in Thailand der Notstand ausgerufen. So ganz genau wissen sie noch nicht, ob das auch einen kompletten Lockdown mit sich zieht und inwiefern sie sich bewegen werden können. Derzeit sind der aber guten Mutes. Echte Abenteurer eben! Die Touristen sind weg und viele Restaurants und Geschäfte geschlossen. Der Gedanke an den leeren, breiten Strand, den sie dort direkt vor ihrer Haustür haben, entlockt ihnen, in der Videonachricht, die sie uns geschickt haben, ein breites Grinsen. 

„Das blödeste ist die Unsicherheit, dass wir es nicht selbst in der Hand haben, ob wir uns hier frei bewegen können oder ob wir nach Deutschland wieder zurückkommen oder wie wir es machen,“ sagt Michael. 

Sie bleiben jetzt flexibel. Vielleicht wollen sie sich eine Unterkunft mit Küche mieten und es sich dort etwas komfortabler machen, auch um autark zu sein. Sie sind zuversichtlich, dass sie die Zeit auch auf der thailändischen Insel gut verbringen können. (Anmerkung der Redaktion: Nach dem Interview bekamen wir die Nachricht, dass ihr Flug tatsächlich gecancelt wurde und die beiden für unbestimmte Zeit in Thailand bleiben werden.)

Mehr über Michael und Joanna, erfahrt ihr im Video unten.

 

Christian & Lennart in Mexiko

Wohlbehalten zurück (Spoiler) sind Christian und Lennart aus Berlin. Von ihrer spannenden Reise, teilweise im Tal der Ahnungslosen und dann wieder mitten drin in der Corona-Krise haben sie uns in einem Erlebnisbericht erzählt.

Unplanned-Deutsche-in-Ausland-Christian-Lennart-Mexico2

„Unsere Reise fing an, als es in Deutschland weniger als eine Handvoll bestätigter Corona-Fälle gab. Die erste Etappe war Havanna. Hier verbrachten wir ein paar Tage mit Freunden aus New York und Moskau. Das war insofern entspannend, als Corona auf Kuba kein Thema war und uns der unvermeidliche Digital Detox – der Anschluss an das World Wide Web gestaltet sich hier schwierig – weitestgehend von Nachrichten aus der Welt abschirmte. 

Dieser Schutzschild verschwand mit unserer Ankunft in Mexiko. Jetzt wurden wir von Nachrichten aus Europa eingeholt. Die Lage vor allem in Italien, aber auch in Deutschland und bei anderen Nachbarn der Heimat spitzte sich von Tag zu Tag zu.  Freundinnen und Freunde zu Hause gingen als Kontaktpersonen in Quarantäne, Schulen wurden geschlossen. In Mexiko, genauer auf der Halbinsel Yucatán, blieb die Lage indes über viele weitere Tage total ruhig. Es gab keine Bewegungseinschränkungen, außer am Flughafen trug niemand einen Mundschutz, Massenansammlungen, naher Körperkontakt – das war dort noch gelebte Selbstverständlichkeit. Die Zahl der bestätigten Fälle in Mexiko lag zu dieser Zeit bei unter 10. Zwar stand gefühlt an jedem freien Plätzchen ein Spender mit einem Händedesinfektions-Gel, diese Sitte stammt jedoch aus einem anderen Zusammenhang und bietet im Fall von Corona auch keinen Schutz, da die hier verwendeten Gele nur gegen Bakterien wirksam waren, nicht jedoch gegen Viren. Unsere Freundinnen und Freunde im fernen Deutschland gaben uns den Rat, unser Urlaubsparadies noch voll und ganz zu genießen, würden wir doch früh genug in ein Land zurückkehren, das nicht mehr das sein würde, das wir verlassen hatten. Mit diesem Schatten im Rücken taten wir unser Bestes – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg – weißen Stränden, Palmen und Cocktails noch die nötige Beachtung zu schenken.

Am 14. März 2020 durchkreuzte Corona dann das erste Mal unsere Reisepläne. Wenige Tage zuvor hatten die USA ihre Grenzen für Europäer geschlossen, und auch viele süd- und mittelamerikanische Länder fingen an Einreisebeschränkungen zu erlassen. Wir hatten für diesen Tag geplant, mit einem Wasser-Taxi nach Belize überzusetzen, um dort Schnorcheln zu gehen. Das sollte nach wochenlanger Vorfreude unser Urlaubs-Highlight werden.

Belize hatte zu diesem Tag noch keine Einreisebeschränkungen erlassen und so gelang auch der Check-In für die Überfahrt komplikationslos. Wir passierten die mexikanische Grenzkontrolle, zahlten unsere Ausreisegebühr, bekamen unseren Ausreisestempel in den Pass, stiegen mit etwa 50 weiteren, vorwiegend europäischen, Reisenden aufs Boot und verließen Mexiko. Nach zwei Stunden Überfahrt durch das karibische Meer steuerten wir auf die Hafeneinfahrt von San Pedro (Belize) zu, als wir plötzlich von einem Speed-Boot der Küstenwache von Belize eskortiert wurden und unser Wasser-Taxi kurz darauf seine Motoren abstellte. Wir ankerten und warteten darauf, was nun passieren würde. Auch unsere Crew schien über dieses Vorgehen sehr irritiert.

Es vergingen einige Minuten, bis sich einer der Crew-Mitglieder an die Passagiere wandte: „Also Leute. Die Herren der Küstenwache wollen wissen, ob italienische Staatsangehörige an Bord sind?“  Zwei Frauen hoben den Arm und gaben zugleich mit an, dass sie seit Jahren in England lebten und dies auch in ihrem Pass so vermerkt sei. „Okay. Wer von euch kommt aus Frankreich?“ Er zählte kurz die nach oben geschnellten Arme. „15“, sagte er und ging wieder ans obere Deck, um diese Informationen an die schwer bewaffneten Männer der Küstenwache zu übermitteln. Über zwei Stunden warteten wir mit einigem Hin und Her seitens Wasser-Taxi-Crew und Grenzschutzbeamten auf dem Wasser – nicht in Belize, nicht in Mexiko. Zwischendurch kam die Crew immer wieder an Deck, um uns mitzuteilen, dass nun der Chef des Unternehmens eingeschaltete worden sei und sowohl mit den Behörden in Mexiko als auch in Belize in Kontakt stehe. Man werde alles tun, um die Situation schnell zu lösen. Langsam wurde es dunkel. „Also liebe Leute, wir werden nicht einreisen dürfen. Die Behörden haben Angst, dass Coronafälle an Bord sind. Unser Chef schlägt vor, dass wir hier auf dem Wasser übernachten oder … „ der Mann wurde von großem Gelächter und Gejaule von uns Passagieren unterbrochen. „Wir haben hier Kleinkinder an Bord – no way“, rief jemand mit entsetzter und mittlerweile auch verzweifelter Stimme.

Wir setzten uns schließlich durch, nicht dicht an dicht ohne Trinkwasser mit Kleinkindern auf dem Wasser zu übernachten und wurden in rasanter Fahrt durch die Dunkelheit zurück an die mexikanische Küste gebrettert.  Dort konnten wir nach weiteren 20 Minuten Wartezeit vor Ort unter Blitzlichtgewitter wartender Smartphones von Bord gehen, als alles für die Invasion der Corona-Europäer vorbereitet war.

Die mexikanischen Behörden hatten eine Interview-Station aufgebaut, in die wir Passagiere schön der Reihe nach einzeln mussten. Der bemundschutzte Dolmetscher übersetzte der bemundschutzten Ärztin die mitgeteilten – natürlich bei keinem vorhandenen oder mit Kunst verborgenen – Symptome, die bisherigen Reiserouten und die wohl für einige nicht mehr realisierbaren Reisepläne aus deutschem, französischen und italienischem Englisch brav ins Spanische. Wir wurden alle in die sich mehr einschränkende Reisefreiheit entlassen – mit einer Telefonnummer im Gepäck, bei der wir uns melden sollten, falls doch noch Symptome auftauchen. Erneut passierten wir die Grenzkontrolle, erneut zahlten wir unsere Einreisegebühr, erneut bekamen wir unseren Stempel im Pass und suchten uns völlig erschöpft eine Bleibe für die bereits angebrochene Nacht – weit weg vom ersehnten Schnorchelparadies Belize.

Aus beruflichen Gründen mussten wir unsere Reise bald darauf vorzeitig abbrechen. Unseren letzten Tag in Mexiko verbrachten wir in Tulum in einem Strandclub. Corona spielte hier weiterhin keine Rolle, außer in der bekannten Flasche und im Gespräch mit den Betreibern, die über stornierte Urlaube ihrer nordamerikanischen und europäischen Gäste klagten. Die Leute genossen unbeschwert ihren Urlaub, dicht an dicht. So werden wir es in Deutschland wohl eine ganze Weile lang nicht mehr erleben.“

 

Für Christian und Lennart sind ihrer Erlebnisse schon zu einer wilden Urlaubsgeschichte geworden. Karolina ist für den Corona-Alltag in der Wahlheimat mit Hund und Familie gut aufgestellt. Wir drücken Susi, Michael und Joanna die Daumen, dass sie sich ein Stück der Unbeschwertheit bewahren können und vor allem gesund bleiben. Irgendwann sind unser aller Corona-Erlebnisse hoffentlich nur noch Erinnerungen an eine unvorstellbare Zeit. 

Ihr wollt noch mehr Geschichten aus dem Ausland hören? Schaut mal in dieses Video rein:

 

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